Zumeist besteht mit der Diagnosestellung auch die Indikation zu einer Reparation. Spontanheilungen sind in aller Regel selten. Der Operationszeitpunkt ist beim beschwerdefreien Patienten nicht zwingend rasch festzulegen. Allerdings sollte der Patient bis zur Operation schwere körperliche Anstrengungen weitgehend vermeiden und auf die Risiken einer Einklemmung aufmerksam gemacht werden. Bei den operativen Reparationsmöglichkeiten wird zwischen konventionellen und den neueren laparoskopischen Verfahren unterschieden.
Bassini, Shouldice und Liechtenstein
Die Operationsmethode nach Bassini ist seit Ende des vorigen Jahrhunderts bis heute eine gängige und gute Methode. Dabei wird ein Teil des Leistenkanales unter Spannung verschlossen. Zwei Nahtreihen (Muskulatur und Faszie) engen den Durchtritt des Samenstranges, der in das Unterhautgewebe verlagert wird, derart ein, dass nur noch eine enge Lücke für die Hodengefäße persistiert.
1959 entwickelte Shouldice eine neue Methode zum Verschluss der Leiste. Nun wurde auf einen schichtgerechten Verschluss geachtet, wobei die Hinterwand des Leistenkanals zu Stärkung gedoppelt wurde.
Mit dem zunehmenden Einsatz von prothetischen Materialien in der Hernienchirugie wurde in den letzten Jahren vor allem die Plastik nach Liechtenstein populär. Hierbei erfolgt der Verschluss der Bauchdecke durch ein, unter die oberflächliche Faszie eingebrachtes, Kunststoffnetz.
Alternativ dazu sind die laparoskopischen Methoden anzuführen
Hierbei wird die Bruchlücke von innen her verschlossen. Über eine dünne Nadel wird der Bauch mit einem speziellen Gasgemisch gefüllt. Nun wird eine kleine Kamera in den Bauch geführt. Über zwei weitere Einstiche im linken und rechten Unterbauch kann nun operiert werden. Im Prinzip wird über die gut einsehbare Bruchlücke ein großes Kunststoffnetz gelegt und mit wenigen Klammern fixiert. Anschließend können alle Instrumente wieder entfernt werden. Die Entscheidung welche Technik die Beste ist, ist zumeist individuell zu stellen.
Abhängig gemacht wird die Entscheidung
von der Art des Bruches (erstes Auftreten oder Rezidiv),
von der Größe des Bruches (kleine angedeutete Vorwölbung oder bis in den Hodensack reichend)
vom Zustand der Bauchdecken (straff oder extrem weich)
vom Allgemeinzustand (Narkosefähigkeit: Vollnarkose oder lokale Betäubung)
vom Alter des Patienten (Kind-Jugendlicher-Erwachsener-älterer Patient [>80 a])
vom Geschlecht (m, w)
von der postoperativen Beanspruchung (kurze und rasche Rekonvaleszenz erforderlich oder nicht)
von einer Abneigung gegenüber einer Implantation von Fremdmaterial
von der Erfahrung des Chirurgen mit der jeweiligen Methode!
Rezidivraten von 0,5 - 5%
Beurteilt wird die Qualität des Verfahrens in erster Linie durch die Rezidivraten. Diese werden an spezialisierten Abteilungen zwischen 0,5 bis 5 % angegeben (sind aber wahrscheinlich doch höher, da Langzeitbeobachtungen kaum möglich sind). Die spannungsfreien Methoden schneiden dabei gering besser ab. Ebenso wichtig wie das Rezidivrisiko ist aber auch die postoperative Befindlichkeit und die rasche Wiedereingliederung ins tägliche Leben. Hier ist ein geringer Vorteil der laparoskopischen Methode gegeben.
Zur Beurteilung der Methoden müssen auch die entsprechenden Risiken herangezogen werden.
Allgemeine Risiken betreffen alle Operationen. Bei einem Leistenbruch muss auf die mögliche Nachblutung oder auf eine Infektion im Operationsgebiet hingewiesen werden. Postoperative Durchblutungsstörungen des Hoden sind sehr selten und eher bei Rezidiven. Bei den laparoskopischen Verfahren ist eine Verletzung eines Darmanteiles durch den Zugang durch den Bauchraum möglich. Ein spezielles Risiko besteht bei einer Unverträglichkeit gegenüber einem implantierten Fremdgewebe. Dies äußert sich zumeist durch anhaltende Beschwerden im Operationsgebiet und macht die Entfernung des Kunststoffnetzes erforderlich. Jedoch sind alle diese Komplikationen eher selten, mit einer Unverträglichkeit muss in ca. 1-2% gerechnet werden.
Eine postoperative Schonung ist wesentlich
Die Nachbehandlung nach einer Operation besteht in erster Linie in einer konsequenten körperlichen Schonung. Dabei wird vor allem auf das Heben und Tragen schwerer Lasten hingewiesen. Als zeitliche Richtlinie bis zur Ausübung der normalen körperlichen Aktivitäten werden 2-3 Wochen bei den laparoskopischen, 3-12 Wochen bei den konventionellen Methoden angegeben.
Eine Vorsorge zur Vermeidung eines Bruches ist eigentlich nicht möglich. Empfehlungen wie: "Vermeiden Sie Gewichtszunahme" oder "Verteilen Sie Ihr Gewicht gleichmäßig auf den Körper" sind zwar gut gemeint, für den Patienten jedoch von geringer Hilfe.
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